(Nicht) immer ein Statement

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(Nicht) immer ein Statement!


Elf Jahre lang zierten 31 Dreadlocks mein Haupt und immer wieder wurde mir diese eine Frage gestellt: Warum?

anna dreadlocks

Sehr vielfältig: Dreadlocks!

Nun, vor zwei Jahren entwirrte ich meinen Wuschelkopf (ja, es ist möglich ohne die Haare abzuschneiden!) und ging nach mehr als zehn Jahren mal wieder zu einem Friseur. Es galt viel aufzuholen. Haare fallen aus, wenn sie nicht in dicken Filzwürsten vom Kopf baumeln und verstopfen den Ausfluss. Ihr wusstet das bestimmt, ich war leicht schockiert, als ich es bemerkte!

Zuerst kümmerte ich mich um die korrekte Pflege (nun brauche ich Shampoo, das mein Haar nicht kaputt macht! Krass! Und eine Spühlung und eine Kur… ziemlich teuer, so normales Haar…) und dann legte ich mir eine Frisur zu. Endlich legte ich mit einem Glätteisen Hand an meine Mähne und konnte sie nun zum ersten mal zähmen!

Anna halb glatt

Links: ohne Glätteisen. Rechts: Geglättet.

Und da sind wir auch schon wieder bei der Eingangsfrage: Warum ich Dreadlocks hatte? Weil meine Haare einfach scheiße sind! Und die Dreadlocks waren so viel einfacher zu handhaben, so viel unkomplizierter und vor allem sahen sie so viel besser aus! Vor den Dreadlocks fragte man mich des öfteren, ob ich rückwärts durch einen Busch gekrochen war… Nicht wirklich schön, für einen Teenager in der Findungsphase, der ohnehin schon Minderwetrtigkeitskomplexe wegen der unbezwingbaren Haarpracht hatte.

Komischerweise war nie jemand damit zufrieden, wenn ich diese Erklärung vorbrachte. Ein Dreadhead hatte gefälligst ein Statement auszudrücken! Mein Vater verbot mir damals sogar das sehr modische Palästinensertuch, weil es ein politisches Statement zusammen mit meiner Frisur ergab. W0000t? Das hatte ich damals wirklich nicht begriffen. Ich wollte doch nur mit der Mode gehen und mich nicht jeden Morgen mit meinen Haaren anlegen.

anna blond

Meine Originalhaarfarbe ist btw Braun!

Nun, da ich die Dreadlocks gegen geglättetes Haar getauscht habe, dachte ich, würden diese Statementfragen aufhören. Und das war auch so, bis ich Lust bekam, wieder etwas auffälliger zu sein. Also färbte ich meine Haare in vielen Farben, bis ich schließlich bei orange und Blau hängen blieb (Elumen btw. verdammt gute Farbe!). Und nun drücke ich damit offenbar wieder etwas aus. Waaaaaaaaas?

glatt und buntes haar
Seit dem mache ich mir Gedanken darüber. Habe ich ein Statement? Warum bin ich nicht mit meiner natürlichen Haarfarbe, oder einer anderen gesellschaftlich anerkannten “ordentlichen” Haarfarbe zufrieden? (Es ist okay sein Haar von braun zu blond oder rötlich zu färben, weil das in der Natur vorkommt, aber Grün oder Blau dürfen sie nicht sein? Dann hat man ein Statement??)

Zuerst weigerte ich mich daran zu glauben, dass ich ein Statement hatte, wo mir doch einfach die Farbe gefiel, doch dann kam mir Paul Watzlawick in den Sinn. In dem ersten seiner fünf Axiome über Kommunikation heist es: “Man kann nicht nicht kommunizieren.”

WTF, also gebe ich wirklich ein Statement mit meiner Haarfarbe, meiner Frisur ab?

Nach langem Grübeln meine ich mir auch nun recht sicher zu sein, was mein Statement ist: Ich mache was ich will, ich nutze die Freiheiten, die mir bleiben, in einer Welt, die voller Regeln, Do’s and Dont’s ist.

Flechtfrisur

Bunte Haare und aufwändige Flechtfrisur. Geglättet, mit einem Lockenstab behandelt und mit ca 20 Zopfgummis fixiert. Aufwändig, aber ohne die Farbe kein Statement?!

Böse Zungen behaupten, man tut solche Sachen, um “Aufmerksamkeit” zu bekommen und wird dann in eine Ecke gestellt mit dem dreijährigen, der sich absichtlich in die Hose pullert, damit Mami sich um ihn kümmert. Mag sein, dass es psychologisch sogar vergleichbar ist, jedoch weit weniger aggressiv.
Ja, natürlich möchte ich “Aufmerksamkeit” erregen. Natürlich möchte ich, dass die Leute gucken, sonst würde ich ja keine knallig bunten Farben nehmen.

Und auch wenn ich im Sommer wieder meine Haarpracht blondieren lasse, möchte ich, dass die Menschen gucken. Welche Frau möchte nicht, dass andere sie angucken und bewundern? Für ihre Schönheit? Oder aber für ihre Ausgeflipptheit? Für eben das, was sie zu dem macht, der sie ist.

 

Also ja, ich gebe mich Watzlawick geschlagen: Ich habe ein Statement. Aber ich habe genau das gleiche Statement wie jeder Mensch, der sich stylt!

anna blond und glatt

Hab ich hier, bei diesem selbstdarstellerischen Bild, das eindeutig meine positiven Seiten hervorhebt, in einer sommerlichen Haarfarbe, aufgenommen in dem Sportkabriolett meines Freundes nun kein Statement, weil die Haare „normal“ sind?

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