Grenzen

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Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt.

(Ingmar Bergmann)

 

Was sind Grenzen? Kennst du deine eigenen?

Körperliche Grenzen kann man leicht austesten, doch was ist mit den geistigen? Wie weit können wir über den Tellerrand hinausschauen? Erlegen wir uns selbst vielleicht genau dort Grenzen auf?

Grenzen sind wichtig. Kinder müssen lernen, sich an ihnen zu orientieren, denn sie weisen uns den Weg in die Gesellschaft. Aber Grenzen werden auch bewusst und provokativ überschritten.

Wo liegen diese Grenzen?

Das frage ich mich oft. Früher war dies viel einfacher, sehr viel direkter und überaus stringend geregelt. Heute sind Grenzen individuell. Die meisten unserer Grenzen liegen aber in unseren Kopf, so denke ich.

In unseren Kopf?

Genau! Unser ganzes Leben lang orientieren wir uns an Maßstäben, denen wir selten gerecht werden können, nach denen wir uns aber dennoch richten, deren Grenzen wir einhalten wollen, um als Teil der Gruppe zu funktionieren. Das ist ganz natürlich. Aber was passiert, wenn jemand diese Grenzen überschreitet?

Wer sagt uns denn, dass ein tättoowierter Mensch unhygienisch ist? Wusstest du, dass ein Mensch, der sich tättoowieren lässt 6 Monate lang kein Blut spenden darf? Wusstest du, dass homosexuelle Männer ebenfalls nicht in der Blutspender- und Knochenmarkskartei gelistet werden? Prinzipiell?

Das liegt an den Grenzen in unseren Köpfen. Teilweise werden sie uns auferlegt, wir übernehmen sie und hinterfragen sie nicht. Die Medizin ist ausgereift genug und jede, verdammt jede Spende wird zig mal geprüft, ob sie „sauber“ ist. Und letztendlich unterschiedet sich das Blut von jemanden, der tättoowiert oder schul ist prinzipiell nicht von anderen. Vorrausgesetzt es enthält keine Infektionserreger oä.

Das nur als Beispiel.
Grenzen sind meiner Meinung dazu da, um über sie hinauszuwachsen, zumindest bei denen in unseren Köpfen. Tempolimits sind schon sinnvoll *zwinker*

Grenzen hinterfragen.

Lange habe ich die Grenzen in meinem Kopf nicht hinterfragt. Sie waren klar und deutlich, sie waren immer da und sie schienen sinnvoll. Und ich meine nicht die Grenzen unserer Fantasie. Grenzen verstecken sich an ganz vielen Orten, oft dort, wo wir sie nicht vermuten. Und noch öfter sind sie von fremden Menschen dort angebracht worden. Oft sind diese schon seit jahrhunderten in unseren Köpfen und wir wissen nicht mal, dass es eine grenze ist, die man überwinden könnte. Sie ist selbstverständlich dort.

Ich schneide ein Thema an, ein umschrittenes: Tattoos… Homosexualität… Pädophilie.
Jeder von euch hat dazu Gedanken, begründet aus Erfahrungen oder Meinungen von Außen. Wie viel Kontakt zu diesen Themen hattest DU denn aber schon im echten Leben? Spricht tatsächlich eine schlechte/gute Erfahrung für alle Vertreter dieser Gruppe?

Grenzen erweitern.

Hinter die Kulisse schauen ist gefragt und zwar besonders bei Themen, die dich abstoßen. Hier erstrecken sich ungeahnte Horizonte, die dein Leben viel bunter machen können, wenn du sie nur zulässt.

Ich bin selbst ein bunter Vogel, von innen, wie von außen: Dreadlocks, Piercings, Tattoos und Abitur an einer Waldorfschule, Theologiestudium, Buchautorin.
Jeder von uns möchte individuell sein, das ist natürlich. Aber müssen wir denn nicht, wenn wir so sein möchten, wir in unseren Grenzen akzeptiert werden wollen, nicht das gleiche Recht auch für die ANDEREN einräumen?

Grenzen achten und Menschen respektieren.

Respektierst du alle Menschen? Auch den Punk am Hauptbahnhof mit seinem Hund, der karierten Decke und dem Pappbecher mit Kleingeld?

Hast DU vielleicht Angst vor dem, was du nicht kennst? Ich habe es!